Bericht vom Liferay Portal Solutions Forum – Softwareforen Leipzig Blog

Bericht vom Liferay Portal Solutions Forum

Gespannt fuhr ich Anfang November 2014 zum Liferay Portal Solutions Forum nach Darmstadt. Ich erwartete eine Art „Kundentag“, an dem ich viele Leute kennenlernen könnte, die Liferay in Projekten einsetzen und ihre Erfahrungen teilten. Tobias und Lars fuhren derweil zur Liferay DevCon, die einen Tag später startete und von der demnächst berichtet wird.

Mein persönlicher Tag startete jedoch überraschenderweise mit einem sehr technischen Frühstücksgespräch am Tisch mit einer mazedonischen Entwicklerin. Sie berichtete über ein Intranet-Portal im Auftrag eines großen Kunden und wie das Thema Performance dadurch gelöst wurde, dass der RAM der VM von 4 GB auf 16 GB hochgesetzt wurde. Insgesamt teilte sie auch meine Bedenken, ob Liferay aufgrund der doch recht monolithischen Architektur überhaupt die richtige zukunftsfähige technologische Plattform für ein größeres Portalprojekt sei. Das galt es für mich heute herauszufinden.

Auffällig war bereits, dass im Frühstücksraum viel Englisch gesprochen wurde und hier und da Liferay-T-Shirts zu entdecken waren. Klares Zeichen für eine große zu erwartende Veranstaltung. Als ich am Veranstaltungsort ankam, begrüßte mich zunächst die Atmosphäre des modernen Bauwerks „Darmstadtium“ (klingt irgendwie … naja).

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Nach dem wirklich professionell organisierten, flotten Check-In ging es direkt in den dicht gepackten Veranstaltungstag hinein. Der Moderator mit einem schweizerischen rollenden R führte uns – etwa 200 Besucher – durch das eintägige Programm.

Die Keynote

Zunächst hielt Brian Chyeung, seines Zeichens CEO von Liferay Inc., einen sehr diplomatischen Vortrag über die nun 10 Jahre dauernde Geschichte von Liferay und dem Ausblick auf Liferay 7. Er proklamierte die Ära der Digital Business Strategy und zeigte dazu schöne Beispiele des Internet-of-Things auf, z.B. eine Klopapierrolle, die kurz vor dem Ende signalisiert, dass man eine neue aufhängen sollte. Für die kommende Version 7 versprach er mehr Performance durch Ajax statt Page-Reloads und eine modulare Architektur, die das Produkt Liferay sehr verschlanken wird. Das gefiel mir auf Anhieb gut und ich musste irgendwie an mein Frühstücksgespräch denken. Er betonte aber auch, dass Homogenität (also Konsolidierung aller Apps in eine Plattform wie Liferay hinein) wichtig für den Erfolg einer digitalen Strategie sei.

Liferay’s DACH-Marketing-Manager führte im nächsten Vortrag aus, was Digital Business Strategy bedeutet und wie Liferay dazu beiträgt, diese umzusetzen. Eine sehr interessante Frage war, wie durchgängig Liferay hierbei dienen kann. Vor diesem Hintergrund präsentierte er Umfrage-Ergebnisse der Liferay-Kunden und was diese am Produkt so schätzen, unter anderem den bereits mitgelieferten Funktionsumfang. Interessanterweise bot er auch die 2014er-Studie von Gartner dar, die Liferay deutlich an Sharepoint vorbeiziehen sieht.

Danach folgten diverse Kundenvorträge von je 20 Minuten Dauer, unter anderem von der Deutschen Post (Extranet für Mitarbeiter), adidas (Intranet mit Produktverwaltung), die Universität Wien (Studentenportal), Schott AG (Wissensmanagement). Jeder der Vorträge bot Anregungen für eigene Liferay-Projekte.

  1. Für den am Nachmittag geplanten Innovation Award stellten sich zwei Kandidaten auf:
    Fundboiler – eine universitäre Erfindung einer Finanzplattform. Hier sollen Investoren und Fond-Manager zusammenfinden, neue Fonds gründen und diese tagesgenau und transparent monitoren. Um dort mitzumischen, sollte man aber 6-stellige Beträge locker haben.
  2. Ein ElasticSearch-Modul, welches sich in das Liferay-Frontend integriert, demnächst als Open Source zu releasen. Das klang doch sehr vielversprechend, wo wir gerade selbst an einer Enterprise-Search-Lösung arbeiten. So bekam das Suchmodul mein Voting.

Zur Mittagspause schaute ich mir zunächst ein Mitarbeiterportal für eine Kirche an, welches von einem dem Hauptsponsoren der Veranstaltung umgesetzt wurde. Danach redete ich mit einem süddeutschen Dienstleister über die sehr interessante Kombination von Open-Source, Agilität und einer CMMI-Level-5-Zertifizierung. Es gab leider viel zu wenig Standtische und damit zu wenig Platz zum gemeinsamen Diskutieren. Hatte man einen Fuß breit gefunden, um seinen Teller abstellen zu können, so hinterließ man doch Spuren heißer Tellerränder an den darunterliegenden Flyern des jeweiligen Standes.

Pläne für Liferay 7.0

Weiter ging es im Programm mit einer witzigen Idee – einem virtuellen Projekt-Planungs-Meeting. Das lief inszeniert wie ein Theaterstück ab. Auf der Bühne trafen sich der Fachbereich, ein technischer Dienstleiter und so eine Art Projekt-Verantwortlicher. Sie diskutierten, wie sie ihr neues Intranet aussehen könnte. Die Dame aus dem Fachbereich fragte immer wieder, ob denn Liferay das auch könne. Dazu wollte man sich „Planungssicherheit“ verschaffen und lud einen Experten – zufälligerweise einen Liferay-Mitarbeiter – in die Runde ein. Er spielte mit seinem Auftritt gleichzeitig eine Rolle als Redner vor dem Publikum. So wurde er immer wieder von der Meeting-Runde gefragt, ob denn das eine oder andere Feature in Liferay funktioniere. Damit stellte er nach und nach die wichtigsten Highlights der kommenden Version 7.0 vor, natürlich nicht, ohne dabei kräftig die Werbetrommel zu rühren.

Hier die Facts, die ich aus dem „Planungs-Meeting“ mitgenommen habe. Da es alles in Englisch mit starkem Akzent vorgetragen wurde, verzeiht bitte eventuelle Missverständnis:

  • Problem lange Ladezeiten: Klicks mit Reloads reduzieren durch Ajax-Calls
  • Single Page Applications unterstützen
  • Neue Datentypen in Forms (Slide Scale, Datum, Zeit etc.)
  • Workflow Analytics
  • Modulare Architektur (“Monolithisches Framework aufbrechen“)
  • damit auch entkoppelte Release-Pläne für alle Module (Wiki, CMS, Blog etc.)
  • Mobile: Rate, Share, Comment auf mobilen Geräten
  • „Liferay Screens“ – so eine Art Frontend-Komponenten für Ajax. Vielleicht ähnlich wie Alloy UI?
  • Liferay Cloud Services: Fix Packs Management und Server Metrics
  • Audience Targeting: Segmente von Kunden unterschiedlich steuern

Expert-Exchange-Runde

Nach der Vorstellung weiterer Projekte folgte eine die „Expert-Exchange-Runde“. Hier hatte man die Gelegenheit, einem von sechs möglichen Gesprächen zu einem bestimmten Thema beizuwohnen und eigene Fragen zu stellen. Nach 30 Minuten wechselte man wie bei einem Speed-Dating den Tisch und besuchte eine weitere Runde. Es gab also zwei Runden für jeden Besucht, ich besuchte „Optimale Update- und Patchkompatibilität von Portlets“ und „Liferay vollständig ausnutzen“.

Update- und Patch-Kompatibilität: Im ersten Thema ging es trotz des Titels „Portlets“ allerdings schnell darum, wie Patches und Upgrades in eine laufende Instanz eingespielt werden. Patches gibt es ja nur in der EE, und ich befürchtete, dass die Runde nichts für mich sein würde. Aber dann kam mir alles schnell bekannt vor: Deployment (hier schlug jemand SVN vor, ich konnte unsere Erfahrungen mit Git beisteuern), und die Probleme, die wir beim Upgrade von 6.1 auf 6.2 hatten, kamen allen anderen auch bekannt vor. So richtig kam bei der Runde nichts zu Portlets speziell rum. Außer vielleicht noch mal die Erinnerung, dass wir auch Git für das Deployment des Produktivservers einsetzen könnten. (Update: ist jetzt so. :-))

Vollständige Nutzung: Hier machte es echt Spaß, mitzudiskutieren. Es ging um Anforderungen des Kunden und ob/wie diese mit Liferay umgesetzt werden können. Alle Teilnehmer diskutierten, wie eine agile Herangehensweise helfen kann, damit der Kunde das System schnell kennenlernt und keine unsinnigen Anforderungen auf der grünen Wiese erstellt.

Konsens zur eigentlichen Frage der vollständigen Nutzung der vorhandenen Liferay-Funktionalitäten war, dass das am weitesten genutzte Feature in allen Projekten die Nutzer- und Berechtigungssteuerung ist, gefolgt vom Medienportlet. Beide nutzen wir in einem Projekt auch. Darüber hinaus waren Asset Publisher, Blog und Kalender sehr beliebt und oft genutzt. Eine gemeinsame Erkenntnis war, dass man vermutlich trotzdem immer noch zu viel selbst implementiert. Zum Beispiel, wenn der Kunde nur eine kleine Anforderung hat und man es daher selbst codet, statt ein fertiges und ggf. größeres Portlet umzukonfigurieren oder per Application Display Template (ADT) zu entschlacken. Im Thema ADT sahen viele Diskutanten auch große ungenutzte Potentiale. Auch der Ressourcen-Export und –Import war vielen in anfänglichen Projekten nicht bekannt. Sie übertrugen Inhalte von Server zu Server oft manuell.

Es folgte eine Podiums-Diskussion zu verschiedenen Herausforderungen, die Liferay als Plattform zu meistern hat.

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Event-Highlights

Der Tag war straff durchorganisiert. Die Vorträge folgten einem 20-Minuten-Rhythmus, und die Pausen waren recht kurz. So folgte nach der Podiumsdiskussion noch die Verleihung des Partner Awards und des Innovation Awards  – für das ElasticSearch-Modul. Die Verlosung des iPad Mini ging an einen Besucher und Brian Chyeung erhielt eine Sternchenfeuer-Torte zum 10jährigen Liferay-Jubiläum. Das Lied Happy Birthday zur Begleitung wurde von der Regie leider mit einer überlauten Jingle-Einspielung zerstört.

Die Veranstaltung bot dann noch eine gemeinsame Wein- und Schokoladenverkostung, doch mein Zug zwang mich zur hektischen Abreise. So endete mein Besuch des Liferay Portal Solutions Forum 2014.

Fazit

Insgesamt eine mit kleinen und großen Gimmicks vollgestopfte Veranstaltung. Man spürte zum einen, dass Liferay eine sehr familiäre Atmosphäre genießt. Zum anderen, dass die Veranstalter für alle Teilnehmer etwas Interessantes bieten wollten, ob es nun Dienstleister oder Kunden waren. Mein Fazit ist daher, dass ich die Veranstaltung für IT-Entscheider empfehlen kann und ich mich auf das nächste Jahr und eine weitere Teilnahme freue.

Unconference

Nebenbei fand übrigens die Unconference, eine Art Vorbereitung der Core-Entwickler auf die an den zwei folgenden Tagen geplante Liferay DevCon statt. Hier tüftelte das internationales Szene-Publikum an verschiedenen Weiterentwicklungs-Themen von Liferay selbst. Interessant fand ich die sehr basis-demokratischen „Rules“ an den Wänden, zb „Who ever comes, it is the right people“, “What ever topic you work on, it is the right project”.

Hier ein Foto der Agenda-Wand und einer Gruppe in Diskussion:

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